Oßwald: „Großer Bedarf für neue Wohnformen im Alter“
Bildunterschrift:
vl. Helmut Kubala, Eigentümer des Restaurants „Zur Traube“ und des „Gästehauses am Schlosspark“ in der neuen gleichnamigen Betreuten Wohneinrichtung für ältere Menschen in Laubach mit Erstem Kreisbeigeordneten und Sozialdezernenten Dirk Oßwald, Kirsten Fitzke, Pflegedienstleiterin der Betreuungseinrichtung in Laubach, Waldemar Zimmermann, Inhaber des Pflegedienstes Zimmermann, Corinna Müller, Pflegekraft und ´gute Seele´ der Betreuungseinrichtung und Laubachs Bürgermeister Peter Klug.
Foto: Kreisverwaltung
Sozialdezernent des Kreises will innovative Wohnkonzepte für ältere Menschen fördern - In Laubach wurde aus früherem Hotel eine vorzeigbare Anlage zum Betreuten Wohnen mit Tagesstätte
„Die Zeiten, in denen es nur Altenpflege daheim durch Angehörige oder im stationären Pflegeheim gab, sind lange vorbei. Vor allem aufgrund veränderter Familiensituationen wird heute zunehmend ein viel breiteres Angebot mit Zwischenstufen benötigt“, machte Dirk Oßwald (Freie Wähler), Sozialdezernent des Landkreises Gießen, kürzlich beim Besuch eines innovativen Modells zusammen mit Laubachs Bürgermeister Peter Klug (parteilos) deutlich.
Beide besichtigten das Betreuungskonzept des „Gästehauses am Schlosspark“, das der Laubacher Pflegedienst Zimmermann seit einem Jahr aufgebaut hat und derzeit weiter ausbaut. Aus dem früher gleichnamigen Hotel wurde inzwischen eine moderne Anlage für Menschen, die „Betreutes Wohnen“ suchen.
„Das Konzept ist innovativ und hat Potential, auch an anderer Stelle im Landkreis den Bedarf nach veränderten Wohn- und Lebensangeboten für ältere Menschen mit Betreuungsbedarf zu decken“, machte Oßwald deutlich. Und das nicht zuletzt deshalb, weil es zahlreiche Hotelbetriebe auch im Landkreis gibt, die bereits geschlossen sind oder bei denen eine Schließung bevorsteht in Regionen, in denen gleichzeitig Bedarf für Betreutes Wohnen im Alter besteht.
Die Bestands- und Bedarfserhebung im Rahmen der Altenhilfeplanung, die der Landkreis Gießen im Mai 2010 erstellt hat, hat auch den Bedarf an Pflegedienstleistungen aufgezeigt. „Eine Erkenntnis ist, dass großer Bedarf an Wohnformen zwischen der häuslichen Pflege und dem klassischen Pflegeheim besteht. Hausgemeinschaften mit kleinen, unabhängigen Wohneinheiten inklusive umfangreichem, bedarfsgerechtem Betreuungs- und Pflegeservice in Wohnortnähe werden die Zukunft bestimmen. Im Landkreis gibt es eindeutig noch zu wenige dieser passgenauen Angebote“, sagte der Sozialdezernent beim Besuch in Laubach.
Der demografische Wandel wird für immer mehr pflegebedürftige Menschen sorgen, die von immer weniger jungen Menschen versorgt werden müssen. Gleichzeitig gibt es immer weniger feste Familienverbünde, sodass der Bedarf an privaten Initiativen in der Betreuung und Pflege älterer Bürgerinnen und Bürger stetig steigt. Das könne das Modell einer Nachbarschaftsfamilie sein ebenso wie betreute Wohnformen oder Senioren-WGs.
Waldemar Zimmermann, kreativer Kopf und seit 10 Jahren Eigentümer des gleichnamigen Pflegedienstes in Laubach, setzt Trends im Landkreis Gießen. Pflegedienstleistungen werden von ihm in unterschiedlichsten Formen angeboten.
Mit der Umnutzung des ehemaligen Laubacher Hotels „Gästehaus am Schlosspark“ in eine Senioreneinrichtung mit Betreuungsangebot sind im letzten Jahr sieben Wohneinheiten von 20-30 Quadratmetern inklusive Bad geschaffen worden, die inzwischen alle belegt sind. Die Eigentümer des Gebäudes und früheren Hoteliers, Helmut und Hannelore Kubala, vermieten dabei die Wohneinheiten an die älteren Mitmenschen und runden das Angebot mit ihrem bekannten, traditionsreichen Restaurant „Zur Traube“ ab, das von den Bewohnerinnen und Bewohner ebenso genutzt werden kann wie weiterhin von externen Gästen. „Wir bieten für die Bewohner des Betreuen Wohnens hier Vollpensionsservice auf dem hohen und bekannten Niveau unseres Restaurants für einen sehr attraktiven Pauschalpreis an“, berichtet Kubala, der darauf hinweist, dass es jedem Bewohner aber täglich ebenso freisteht, sich in der gut ausgestatteten Küchenzeile im Erdgeschoss selbst etwas Kleines oder Größeres zu kochen.
„Mich beeindruckt die Angebotsvielfalt und der bedarfsgerechte Service für ältere Menschen in unserer Stadt. Gleichzeitig freue ich mich über die neuen Arbeitsplätze, die hier entstanden sind und vor allem von Laubachern ausgefüllt werden. Das frühere Hotel steht nicht leer, sondern erfährt als Einrichtung für ´Betreutes Wohnen´ eine zeitgemäße Verwendung“, lobte Bürgermeister Peter Klug das Konzept und die Kooperation von Gastronom und Pflegedienst.
„Mit dieser neuen Wohnform und der Umnutzung eines ansonsten auf Dauer vielleicht leerstehenden Hotels ist Laubach im Landkreis federführend“, lobte Kreis-Sozialdezernent Oßwald den Pflegedienst ebenso wie die Stadt, die sich auch mit Projekten wie dem kreisweit ersten Mehrgenerationenhaus im Johann-Friedrich-Stift, dem Lokalen Bündnis für Familie oder in der Demenzarbeit sehr positiv im Kreis im Bereich der Generationenarbeit hervortut.
Klug erwähnte in diesem Zusammenhang, dass in Kürze Baubeginn sei für ein Objekt mit seniorengerechten Wohnungen , die von der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Grünberg-Laubach in der Gießener Straße - schräg gegenüber des „Gästehauses“ - entstehen wird. Außerdem stehe der Beginn für den Neubau des Alten- und Pflegeheims Salzmann kurz bevor. „Damit werden wir weitere optimierte Wohnformen haben, damit es auch für ältere Menschen weiterhin lebenswert ist, in unserer schönen Stadt Laubach zu leben“, so der Bürgermeister.
Zimmermann stellte Oßwald und Klug zudem die neue Tagesbetreuung im „Gästehaus am Schlosspark“ vor, die man seit dem 1. September anbietet und die Angehörigen bedarfsgerechten Freiraum schafft. Hier können ältere Menschen für einzelne oder mehrere Tage tagsüber ihre Zeit im „Gästehaus“ mit Gleichgesinnten verbringen. Es gibt für einen festgelegten Pauschalpreis einen Hol- und Bringservice ebenso wie musische und kulturelle Freizeitangebote und Verpflegung aus dem benachbarten Restaurant der Kubalas.
„Im Rahmen der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist Tagesbetreuung ein ganz entscheidender Aspekt besonders für pflegende Angehörige. Wir sind froh, dass es immer mehr solcher Angebote wie diese für Menschen im Landkreis Gießen gibt“, machte Oßwald deutlich.
Beim Rundgang durch das Gästehaus berichtete Zimmermann von weiteren Leistungen seines Pflegedienstes. Neben dem Betreuten Wohnen und der Tagespflege gehört die Familienpflege, eine besondere Hilfeleistung für Familien mit Kindern bis zum 14. Lebensjahr im Falle von Krankheit oder Notsituationen der Betreuenden, dazu. Ebenso wie die 24-Stundenpflege, bei der Zimmermann hessenweit 50 ausgebildete Pflegekräfte beschäftigt, die rund um die Uhr Pflegebedürftige in ihren eigenen vier Wänden betreuen und versorgen.
„Das gemeinsame Ziel von Kommunen und Landkreis ist es, für die Bürgerinnen und Bürgern eine wohnortnahe, bedarfs- und serviceorientierte Betreuung im Alter zu schaffen, und das möglichst in genau der Form, die gerade dann bereitsteht, wenn der Pflege-, Betreuungs- oder Wohnbedarf anfällt“, machten Oßwald und Klug abschließend deutlich.









