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Landkreis Gießen lässt Geschichte des „Rivers-Geländes“ aufarbeiten

Geschichte des Rivers-Geländes
vl. Daniel Beitlich (Beitlich-Bauprojekte GmbH), Joachim Kühn (GIAG), Harald Scherer (Kulturdezernent Stadt Gießen), Dr. Wilhelm Bingsohn (Historiker), Torsten Becker (GIAG), Christian Burkhard (wissenschaftlicher Mitarbeiter), Bernd Bachert, Dr. Carsten Lind (Uni Gießen), Siegfried Fricke (Dezernent für Denkmalschutz, Landkreis Gießen).
Foto: Wolfgang Kubat, Landkreis Gießen

Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger gefragt – Dauerausstellung ab Herbst 2009 geplant.


Als Geschichte im allgemeinen Sinn wird in der Wissenschaft das bezeichnet, was in der Vergangenheit passiert ist. Das Gelände der ehemaligen „Rivers-Barracks“ an der Licher Straße in Gießen hat eine lange Geschichte. Wie vom Dezernenten für Denkmalschutz beim Landkreis Gießen, Siegfried Fricke, zu erfahren ist, wird die Geschichte des „Rivers-Areals“ seit kurzem von zwei historisch fachkundigen Personen aufgearbeitet. Neben dem Landkreis Gießen sind die Stadt Gießen, die GIAG (Gesellschaft für Integration und Arbeit in Gießen) und die Beitlich-Bauprojekte GmbH als Partner an den historischen Arbeiten beteiligt. Ziel ist eine Sonderausstellung zur Eröffnung der künftigen Kreisverwaltung im Herbst und danach eine Dauerausstellung in den Fluren der künftigen Verwaltungsgebäude.


Mit Dr. Wilhelm Bingsohn (63 Jahre; promovierter Historiker) und Christian Burkhard (43 Jahre, Fachmann für Zeitgeschichte) hat der Landkreis Gießen im Rahmen einer beruflichen Wiedereingliederungsmaßnahme zwei Personen gefunden, welche mit Begeisterung die „historischen Puzzelsteine“ des ehemaligen Kasernen-Geländes zu einer Ausstellung – für vier Wochen  als Sonderausstellung im Spitzbunker, danach als Dauerausstellung in den Verwaltungsgebäuden -   zusammenführen. Fachliche Unterstützung finden die beiden Historiker bei Dr. Carsten Lind vom Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität, der im Auftrag der Stadt Gießen derzeit eine Studie für ein mögliches Garnisonsmuseum erstellt.

Harald Scherer, Stadtrat und Kulturdezernent der Stadt Gießen, befürwortet das Projekt: „Der Magistrat der Stadt Gießen arbeitet an einem Konzept für ein Museum zur Geschichte Gießens als Garnisonsstadt, in dem besonders die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Militärs für die Stadt Gießen beleuchtet werden soll. Wir begrüßen selbstverständlich jede Initiative, die geeignet ist, dies zu unterstützen“, so der Kulturdezernent.

 

Siegfried Fricke erklärt zu dem Geschichtsprojekt: „Als Dezernent für Denkmalschutz bin ich nicht nur persönlich an der Rekonstruktion der Geschichte des Geländes interessiert.  Das Areal hat mit der Stationierung von Teilen der 9. Infanteriedivision vor dem zweiten Weltkrieg über die Lagerung von atomwaffenfähigen Raketen und Artilleriegeschützen  ab Mitte der 50er Jahre bis zu Unterbringung von Asylbewerbern ab 1999 eine sehr bewegte und bewegende Geschichte“.

Der Landkreis Gießen hat nach Meinung von Siegfried Fricke durch Unterstützung der GIAG mit Dr. Wilhelm Bingsohn und Christian Burkhard zwei sehr motivierte und fachlich kompetente Experten gefunden, die ein Ausstellungskonzept entwickeln, bei dem die Geschichte des „Rivers-Geländes“ sehr anschaulich für die Bürgerinnen und Bürger dargestellt werden soll.

„Eine Ausstellung lebt von der Vielfalt der Exponate. Wir appellieren deshalb auch an die Bevölkerung in Stadt und Landkreis, uns bei der  Sammlung historisch wichtiger Informationen zu unterstützen“, so die Dezernenten Fricke und Scherer.

 

Dr. Wilhelm Bingsohn hat in den ersten Wochen der Aufarbeitung der „Rivers Geschichte“ erfahren, dass aus der  Zeit zwischen 1935 bis 1945 noch relativ viele Informationen in den Archiven schlummern. Der Historiker merkt aber zu den besonderen Herausforderungen der nächsten Monate an: „Es wird noch sehr viel eigene Recherche sowie Unterstützung durch die amerikanischen Behörden und durch die Bevölkerung in der Region notwendig sein, um die Epoche  der US-Nutzung zwischen 1945 und 1990 anschaulich darstellen zu können.“    


Christian Burkhard kann auf erhebliche Kenntnisse über das „Rivers-Areal“ aus  seiner ehrenamtliche Tätigkeit beim „Bunkermuseum Hansa e.V.“ (Gießener Verein, der sich mit der geschichtlichen Aufarbeitung der Bunkeranlagen auf dem Gelände des „Rivers-Areals“ beschäftigt) zurückgreifen. Durch seine aktuelle Recherchetätigkeit sind wertvolle Kontakte zu Zeitzeugen entstanden, die gerade über die Zeit während der Nutzung des Areals durch die amerikanischen Streitkräfte Interessantes zu berichten haben.  „Ich versuche aus jedem Gespräch etwas mitzunehmen, damit aus einzelnen Informationen bald schlüssige Darstellungen werden.“, so Burkhard und fügt ergänzend hinzu: „Manchmal habe ich das Gefühl, ich arbeite an einem Puzzle, bei dem nach und nach mehr Teile dazu kommen“.


„Das Kasernengelände in der Licher Straße war bei den Nationalsozialisten ein Standort der 9. Infanteriedivision“, weiß Dr. Wilhelm Bingsohn zu berichten. Anschließend war die einzige Nachrichtenhelferinnenschule im gesamten Deutschen Reich auf dem Gelände in der Licher Straße untergebracht. Nach 1945 wurde das Gelände vom US-Militär  genutzt.

1992 zogen die US-Streitkräfte  im Zusammenhang mit dem ersten Golfkrieg endgültig aus den ‚Rivers’ ab.  Das Gelände wurde dann von der Bundesanstalt für Immobilienmanagement übernommen. Ende der 90er Jahren sind die Gebäude in der Licher Straße als Asylbewerberunterkunft genutzt worden. Heute ist das Areal in privatem Besitz und steht kurz vor der Vollendung als neuer Verwaltungssitz des Landkreises Gießen.

 


 

AUFRUF

Zur Ausstellung „Gießener Militärgeschichte in der Rivers-Kaserne“, die im Herbst 2009 im Spitzbunker an der Automeile eröffnet werden soll, suchen wir noch dringend Zeitzeugenberichte und Ausstellungsexponate wie Bilder, Postkarten etc. von 1935 bis heute aus dem Besitz der Bevölkerung. Auch Materialien und Hinweise, die die Geschichte Gießens als Garnisonsstadt im Allgemeinen betreffen, sind willkommen.

 

Sofern Sie die Ausstellung zur Gießener Militärgeschichte unterstützen können, melden Sie sich bitte mit Namen und Telefonnummer unter:


E-Mail: rivers-verdun-kaserne@lkgi.de


Telefon: 0641/ 9390-0

 

Landkreis Gießen – Der Kreisausschuss
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Ostanlage 39, 35390 Gießen