„Gelbe Karte“ als Warnschuss von der Führerscheinstelle wird ernst genommen
Präventionsrat, Polizei und Landkreis wollen die Aktion fortsetzen
Einen Führerschein bekommt nur, wer auch charakterlich dazu in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen und verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen. Randalierer und Gewalttäter setzen deswegen meist ohne es zu ahnen ihre Fahrerlaubnis aufs Spiel. Um jungen Männern und Frauen dies deutlich zu machen, gibt es seit April 2011 im Landkreis Gießen die „Gelbe Karte“, die die Führerscheinstelle des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Polizei nach Verhaltensauffälligkeiten vor allem an junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren verschickt. 79 dieser Verwarnungen sind seit dem Start des Modellprojekts in den vergangenen zehn Monaten ausgesprochen worden. „Wenn die Mitarbeiter der Führerscheinstelle diese Gelbe Karten verschicken, ist das ein Warnschuss, der den jungen Gesetzesbrechern klar macht, dass sie bei wiederholtem Fehlverhalten etwas Wichtiges verlieren könnten – nämlich ihren Führerschein“, weiß Landrätin Anita Schneider als zuständige Dezernentin für den Fachbereich Verkehr, die sich jetzt nach einer Zwischenbilanz für die Fortführung des Projekts ausspricht.
Auch Sozial-/Jugenddezernent und Präventionsratsmitglied Dirk Oßwald kann über die „Gelbe Karte“ nur Gutes sagen: „Auch wenn es vielen jungen Männern und Frauen nicht klar ist: Zerstörerische Wutausbrüche, Gewalt und Drogenmissbrauch können den Einzug der Fahrerlaubnis oder die Zulassung zur Führerscheinprüfung nach sich ziehen, wenn ein Täter mehrfach auffällig wird. Die Gelbe Karte als Warnung öffnet vielen die Augen“, ist sich Oßwald sicher. Er lobt darüber hinaus die präventive Wirkung, die auch Polizeipräsident Manfred Schweizer bestätigt: „Wir hatten im Präventionsrat das Projekt seinerzeit auf den Weg gebracht und jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Vorgehen und die Zusammenarbeit von Polizei und Landkreis zweckmäßig ist. Denn von den Straftätern, denen eine Gelbe Karte zugegangen ist, sind nur zwei erneut auffällig geworden.“
Eine Fahrerlaubnis ist im Rahmen des Gelbe Karte-Projekts im Landkreis Gießen zwar noch nicht eingezogen worden, insgesamt wurden von der Führerscheinstelle immerhin 178 polizeiliche Mitteilungen bearbeitet und die Delinquenten auf ihre Eignung überprüft, ein Fahrzeug zu steuern. Die zugrunde liegenden Straftaten sind dabei unterschiedlicher Natur und reichen von Körperverletzungsdelikten über Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz bis hin zu charakterlichen Auffälligkeiten und das Fahren ohne Fahrerlaubnis, was sich ausschließlich auf das Fahren von „frisierten“ Mofas beschränkt.
„Das Projekt, das für die Region Mittelhessen Pilotcharakter hat, läuft noch gut ein Jahr und wir können die positiven Erfahrungen weitergeben“, sagt Polizeipräsident Schweizer voller Zufriedenheit: „Die Gelbe Karte ist ein Warnschuss, bevor es zu anderen Maßnahmen kommen muss. Unter dem präventiven Aspekt ist sie also genau das richtige, um vor allem junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zur Einsicht zu bewegen. Denn der drohende Verlust der Fahrerlaubnis dürfte manch einen härter treffen als andere Strafen wie das Leisten von Arbeitsstunden oder Geldstrafen. So werden die beiden erneut auffällig gewordenenen jungen Männer, der 19-Jährige wegen Besitz und Erwerbs von Betäubungsmittel und der 15-Jährige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, vorher eine Medizinisch Psychologische Untersuchung absolvieren müssen, wenn sie eine Fahrerlaubnis beantragen.“








